• Sicherungstechnik

Infos zum Thema Sicherungstechnik und Knotenlehre

Zu diesem Thema gibt es eine Fülle von Literatur und gerade für Anfänger ist es häufig nicht so leicht, die wirklich wichtigen und für den Anfang fundmentalen Techniken zu filtern. Wir haben dies für euch übernommen und das Wichtigste aus dem Bereich der Sicherungstechnik zusammengefasst. Für ein alpines Projekt reicht dies aber bei weitem nicht aus. Die Tipps sind auf das Klettern im Klettergarten ohne Zwischenstand und mit vorhandenen Umlenkpunkten ausgerichtet.

 

Welche Ausrüstung brauche ich?

Neben Kletterschuhen und Klettergurt benötigt ihr natürlich ein Seil. Die wenigsten Kletterrouten in Klettergärten sind höher als 30 Meter, so dass ihr mit einem 60-Meter-Seil in der Regel gut beraten seid. Dabei braucht ihr für den Anfang nicht das Beste vom Besten! Ein Standard-Sportkletterseil in der Preiskategorie um die 120 € reicht für den Anfang völlig aus. Zusätzlich benötigt ihr noch etwa 10-12 Express-Schlingen, einen Abseilachter und/oder tube, eine Prusikschlinge mit Karabiner zum Abseilen und 2 Schraubkarabinder. Für die Selbstsicherung, z.B. zum Abbauen einer Route oder zur Verbesserung der Seilführung sind zudem 2-3 Bandschlingen ratsam.

Einbinden ins Seil und weitere nützliche Knoten

Am Klettergurt befindet sich bei den meisten Modellen eine Verbindungsschlinge zwischen Bein- und Hüftschlaufe. Entlang dieser Schlinge bringt ihr auch den Sicherungsknoten an. Der Standardsicherungsknoten ist in diesem Fall der Achterknoten (s. Abb. 1). Er ist leicht zu stecken und durch seine Übersichtlichkeit gut zu kontrollieren. Knoten wie z.B. der Bulin oder Palstik sind für den Anfang zu unübersichtlich!

Der Sackstich

ist einer der einfachsten Knoten, den ihr in abgewandelter Form zum Verbinden von Bandschlingen verwenden könnt (s. Abb. 2). Zum Einbinden in das Kletterseil ist er weniger geeignet, da er sich nach Belastung nur schwer lösen lässt.

Der Spierenstich

wird zum Verbinden von zwei Seilenden benötigt. Wer es noch sicherer mag, kann dem Knoten auch eine zusätzliche Seilwindung hinzufügen, womit ihr dann einen doppelten Spierenstich geknüpft habt.

Mastwurf und Halbmastwurf

Der Mastwurf eignet sich sehr gut für die Selbstsicherung am Standplatz, da sich der Abstand zwischen Standplatzhaken und Gurt sehr gut anpassen lässt, ohne dabei die Sicherheit zu beeinflussen.

Etwas anders gelegt, ergibt sich der Halbmastwurf (HMS), den man zum Sichern des Vorsteigenden oder Nachsteigenden verwendet. Der häufig gesehene Abseilachter ist nur für Fortgeschrittene zu empfehlen, da dieser zu wenig Seilreibung bzw. Seilwiderstand aufweist. Automatische Sicherungsgeräte, wie z.B. das GriGri sind zwar verlockend, vermitteln aber ein falsches Sicherheitsgefühl und verleiten zur Unaufmerksamkeit. Für die Vorstiegssicherung absolut ungeeignet!

Klettern im Vorstieg

Wenn ihr die ersten Schritte im Vorstieg macht, dann raten wir euch dazu, zuerst eine geeignete Route auszuwählen und diese unbedingt unter der Führung eines erfahrenen Kletterers zu klettern. Die Route sollte zunächst nicht allzu hoch sein, ein gutes Sturzgelände aufweisen (idealerweise senkrecht und ohne Absätze oder Kanten) und mit vielen zuverlässigen Haken ausgestattet sein. Um unnötigen Stress zu vermeiden, solltet ihr das Einhängen des Seils in die Express-Schlingen vorher zu Hause üben. Das hat auch den Hintergrund der Risikominimierung, da besonders die Phase des Klippens (wegen der Länge des ausgegeben Seils) recht heikel ist. Wenn ihr euch beim Einhängen unsicher fühlt, dann lasst das Seil lieber los, damit der Sichernde entsprechend reagieren kann. Alle Sportkletterethik in Ehren, im Notfall ist auch der Griff in die Expressschlinge erlaubt.

Seilführung und Ausrichtung der Schnapperöffnung des Karabiners

Insbesondere, wenn die Sicherungspunkte vertikal versetzt angeordnet sind oder die Route diagonal verläuft, solltet ihr darauf achten, dass beide Karabiner (der im Haken und der, durch den das Seil läuft) mit der Schnapperöffnung entgegen eurer Klettrichtung ausgerichtet sind. Mindestens genauso wichtig ist die Seilführung innerhalb des Karabiners. Das Seil läuft von der Wand aus durch den Karabiner zu eurem Gurt (s. Abb. 4 und 5). Diese beiden Regeln dienen dazu, das Risiko des Seilaushängens am Karabiner zu minimieren!

Im Fall eines Sturzes und das Sichern eines Vorsteigenden

Für den Fall, dass sich ein Sturz nicht vermeiden lässt, heißt es, lieber zu früh loslassen, als zu spät. Wichtig ist, dass ihr in jedem Fall versuchen solltet, einen unkontrollierten Sturz zu vermeiden. Häufig wird das Risiko für den Vorsteigenden auf den ersten Metern einer Route unterschätzt . Besonders beim Einhängen der ersten Haken ist häufig so viel Seil ausgegeben, dass ein Sturz auf dem Boden enden kann. Betrachtet ihr auf der Abb. 6 die Abstände (c) und (d), so könnte man zu dem Schluss kommen, dass sich der Kletterer im sicheren Bereich befindet. Durch den Abstand des Sichernden zur Wand (b), das eventuell beim Ausgeben des Seils entstehende Schlappseil (a) und das zusätzliche Seil, das der Kletterer zum Einhängen der nächsten Express-Schlinge (e) benötigt, ändert sich jedoch diese Situation dramatisch. Der ursprüngliche Abstand zwischen den ersten beiden Sicherungspunkten (d) vergrößert sich um die Werte (a), (b) und (e). Ein Sturz beim Einhängen würde in der dargestellten Situation mit einem Unfall enden! Sehr erfahrene Sichernde würden im Fall eines Sturzes in dieser Situation sofort das Seil einziehen und den Abstand zur Wand durch nach hinten laufen vergrößern. Solch intuitives Verhalten entwickelt sich jedoch erst nach vielen Jahren des Kletterns. Grundsätzlich solltet ihr den Kletterer ganz einfach immer im Auge behalten, euch sowohl beim Klettern, als auch beim Sichern 100% auf die Sache konzentrieren und durch nichts ablenken lassen.

Achterknoten
Abb. 1: Achterknoten
Sackstich
Abb. 2: Sackstich als Bandschlingenknoten und einfacher Spierenstich
Sackstich
Abb. 3: Mastwurf und Halbmastwurf
Seilführung
Abb. 4: Seilführung
Seilführung im Karabiner
Abb. 5: Seilführung im Karabiner
Sturzrisiken
Abb. 6: Sturzrisiken